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Rennbericht Biland Challenge Rennen 3 - Levier, 11. Mai 2003

Nach längerer Absenz war der Circuit de l’Enclos im französischen Levier erstmals wieder Austragungsort für ein Rennen einer gesamtschweizerischen Rennserie. Eingebettet in das vom Kart Club Romand organisierte Championnat Suisse Romand CSR fand der dritte Renntag zur Biland Challenge statt.  

Erfreulicherweise hielt sich diesmal die französische Polizei im Gegensatz zu früheren SM-Rennen in Levier mit den befürchteten Arbeitsbewilligungs- und Materialkontrollen diskret zurück, somit stand einer fairen sportlichen Austragung auf dem anspruchsvollen und schnellen Kurs nichts im Wege.

Zeitfahren Biland Challenge

 Das Zeitfenster für die Qualifikation reicht nur gerade für 6 Runden. Da für das Warmfahren der Reifen bereits zwei Runden benötigt werden, ist also von den Piloten höchste Konzentration für 3 bis 4 Runden gefordert. Marco Muster und David Canonica bewältigen diese Aufgabe am besten, sie stellen ihre Karts mit 49.030 bzw 49.034 praktisch zeitgleich in die erste Startreihe. Dahinter folgen mit geringem Abstand von je 0.1sec Peter Santos-Kuster, Ken Allemann, Adrian Uebersax sowie Raffi Bader.

Patrick Straubhaar, der die Schweiz am letztjährigen Weltfinale in Alés derart ausgezeichnet vertreten hatte, ist der Trainingsrückstand auf der für ihn neuen Piste noch anzumerken, er qualifiziert sich als Neunter für den ersten Lauf.

Vorlauf 1 Biland Challenge

Renn-Telegramm:

Circuit de l’Enclos, Levier

Schnellste Runde:

David Canonica in 49.282 (Runde 13)

13 Runden à 1.172 km = 15.236 km

Leader:

1 - 13

Marco Muster

Wetter:

Leicht bewölkt, 20 0

 

 

 

Der Start des 24 Fahrer umfassenden Feldes verläuft engagiert, jedoch sehr diszipliniert. Marco Muster vermag seine Pole-Position zu verteidigen, David Canonica hingegen beschleunigt etwas zu spät und muss Peter Santos-Kuster, Adrian Uebersax und Ken Allemann bereits auf der Startgeraden den Vortritt lassen. In der folgenden Steigung powert sich auch noch Raffi Bader an Canonica vorbei, der somit auf den ersten Metern bereits 5 Positionen verloren hat.

An der Spitze kann Marco Muster von Beginn weg einen kleinen Vorsprung herausfahren, der ihm erlaubt, sich aus allen Zweikämpfen herauszuhalten. Dahinter setzt Uebersax sofort Santos-Kuster unter Druck, und nach zwei Runden erobert er sich mit einem schönen Ausbremsmanöver am Ende der Zielgeraden Platz 2. Santos-Kuster lässt sich jedoch nicht abschütteln, und ab Runde 4 können auch Allemann, Bader und Canonica dicht zu Uebersax aufschliessen. Diese Fünfer-Gruppe sieht zwar Marco Muster an der Spitze mehr und mehr davonziehen, kann aber ihrerseits auch einen Vorsprung auf die nächsten Verfolger erarbeiten.

 Im Verfolgerfeld machen Bader und Canonica den stärksten Eindruck, und bald können sie schliesslich Ken Allemann und wenig später Peter Santos-Kuster überholen – stets am Ende der schnellen Zielgeraden. Nun richten sich die Attacken von Bader und Canonica gegen Übersax, der jedoch kaltblütig dagegen hält und P2 erfolgreich verteidigt. Raffi Bader hingegen dreht sich in der vorletzten Runde in Kurve zwei, nachdem er bei einem der diversen Angriffe auf Übersax zu stark über die Curbs fährt. Bader kann zwar weiterfahren, fällt aber auf Rang 20 zurück – ein schlechter Lohn für die tolle Vorstellung in Lauf 1.

Das Missgeschick von Raffi Bader reisst eine Lücke im Verfolgerfeld auf und Ken Allemann verliert den Anschluss. Canonica versucht in der letzten Runde nochmals, an Uebersax vorbeizukommen, jedoch vergebens. Der Zieleinlauf sieht also Marco Muster als klaren Sieger, rund 4 sec vor Übersax, Canonica, Santos-Kuster und Allemann. Roland Mosberger fährt mit etwas Abstand auf Platz 6 ein, dahinter kann sich Straubhaar ganz knapp gegen Grütter, Hunkeler und Jufer durchsetzen.

 

Vorlauf 2 Biland Challenge

Renn-Telegramm:

Circuit de l’Enclos, Levier

Schnellste Runde:

Adrian Uebersax in 49.512 (Runde 11)

13 Runden à 1.172 km = 15.236 km

Leader:

1 - 3

Marco Muster

Wetter:

Leicht bewölkt, 21 0

 

4 – 6

Adrian Uebersax

 

 

 

7 – 10

David Canonica

 

 

 

11- 13

Adrian Uebersax

Marco Muster verteidigt erneut die Spitzenposition beim Start, diesmal vermag er sich jedoch nicht von seinen Kontrahenten abzusetzen. Adrian Uebersax und David Canonica hängen dicht an seinem Heck und machen mächtig Druck. Ken Allemann startet verhalten und fällt hinter Santos-Kuster auf Platz 5 zurück. Alfio Sergio und Nicolas Jaccoud müssen das Rennen bereits kurz nach dem Start aufgeben – die ersten Ausfälle am heutigen Tag.

An der Spitze formiert sich ein Dreiergespann mit Muster, Uebersax und Canonica, mit etwas Abstand folgt Kuster-Santos, und dahinter sieht sich Ken Allemann von Patrick Straubhaar und Thomas Grütter bedrängt. Dieses Trio sorgt für einige Spannung, mehrmals berühren sich die Karts bei den vehementen Positionskämpfen in der ersten Rennhälfte. Zwischenzeitlich kann sich Patrick Straubhaar vor Ken Allemann auf Platz 5 setzen, doch über die Distanz muss er sich schliesslich doch geschlagen geben.

In Runde fünf vermag auch der stark aufholende Roland Mosberger zu dieser Gruppe aufzuschliessen, doch beim Versuch, Ken Allemann zu passieren, gerät er in der Abfahrt im hinteren Teil der Piste neben die Strecke und verliert gleich zahlreiche Positionen. Am Ende reicht es noch zu Rang 12.

Ganz vorne hält der Druck auf den führenden Marco Muster an, und in Runde 4 muss er die Führung endgültig abgeben. Adrian Übersax bremst sich an Marco vorbei, und auch David Canonica tut es ihm kurz danach gleich. Marco Muster kann nun die Pace nicht mehr mitgehen, fällt mehr und mehr zurück und wird wenige Runden später auch von Peter Santos-Kuster ein- und überholt.

Um die Führungsposition wird unterdessen intensiv weiter gekämpft. Der Kampf an der Spitze ist sehenswert, nicht umsonst liegen Uebersax und Canonica auch im Gesamtklassement der Biland Challenge an der Spitze. In Runde 7 gelingt es Canonica, Uebersax auszubremsen, somit schnuppert er erstmals am heutigen Tag die Führungsluft. Uebersax versucht umgehend zu kontern, vorerst jedoch vergebens.

Durch das Duell an der Spitze kann sich Peter Santos-Kuster mehr und mehr an die Streithähne herankämpfen, und kurz vor Rennende wird so aus dem Führungsduo ein –trio. Gleichzeitig vermag Uebersax in Kurve 6, Canonica auf die Aussenbahn zu drängen und seinerseits die Spitze zurückzuerobern. Bis ins Ziel verteidigt er diese Position und kann somit den Sieg in Lauf 2 erringen. Canonica überquert die Ziellinie nur wenige Zentimeter dahinter, ebenfalls dicht gefolgt von Santos-Kuster. Marco Muster behält gegenüber Ken Allemann das glückliche Ende und Platz 4 für sich, auf Rang sechs muss Patrick Straubhaar am Ende sein ganzes Können aufbieten, um den immer stärker werdenden André Hunkeler noch hinter sich halten zu können.

Raffi Bader, der im ersten Lauf noch eine hervorragende, jedoch unbelohnte Leistung geboten hatte, tut sich diesmal nach Start vom Ende des Feldes im Verkehr sehr schwer, mit Rang 11 wird er kaum zufrieden sein, zumal er mit 49.582 praktisch identische Rundenzeiten wie die Spitze vorlegen konnte.

Die für die Meisterschaftspunkte relevante Addition der beiden Vorläufe sieht Adrian Uebersax als Gewinner, er erhält somit weitere 25 Punkte. Die weiteren Punkte gehen an Muster (20), Canonica (16), Santos-Kuster (13), Allemann(11), Straubhaar (10), Hunkeler (9) und Grütter (8).

Finale Biland Challenge

Renn-Telegramm:

Circuit de l’Enclos, Levier

Schnellste Runde:

André Hunkeler in 49.419 (Runde 17)

18 Runden à 1.172 km = 21.096 km

Leader:

1 - 18

Adrian Uebersax

Wetter:

Leicht bewölkt, 22 0

 

 

 

Adrian Uebersax startet aus der Pole, und auch er lässt sich beim Start nicht überrumpeln. Die erste Kurve spuckt also das Feld in der Reihenfolge Uebersax, Canonica, Muster, Allemann und Straubhaar aus. Marco Muster gelingt es jedoch schon bald, im Infield an Canonica vorbeizuziehen, woraufhin er versucht, Uebersax die Führung abzujagen. Vergeblich – Adrian verteidigt die Spitze souverän und kann sich bald darauf gar mehr und mehr von seinen Verfolgern absetzen.

Unterdessen sieht sich Patrick Straubhaar heftig von André Hunkeler bedrängt, nach kurzer Gegenwehr muss er in Kurve 3 den Race-Inn Teamkollegen passieren lassen. Hunkeler indessen gibt sich mit dem nun gewonnenen Platz 5 nicht zufrieden, zumal die Abstimmung seines Chassis für den Finallauf hervorragend gelungen zu sein scheint. Im fünften Umlauf steckt Hunkeler seinen Spoiler schon tief ins Heck von Ken Allemann und wäre sicherlich auch bald im Zweikampf siegreich geblieben, doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Mit gerissener Kette muss Ken den Finallauf vorzeitig aufgeben. Somit kann Ken Allemann nur gerade 11 Punkte mit nach Hause nehmen, im Kampf um die Meisterschaft kann er somit an diesem Wochenende kein Terrain gutmachen.

Der Kampf um die erste Verfolgerposition hinter Uebersax spitzt sich indessen weiter zu. David Canonica will sich von Marco Muster P2 zurückerobern. Bei einer der zahlreichen Attacken fährt sich Marco Muster dabei seinen Frontspoiler ab, woraufhin ihn die Rennleitung per Flaggensignal zu einem Boxenstop zwingt. Mit neuem Spoiler bestückt jagt er nach kurzer Zeit dem Feld wieder hinterher, doch zu mehr als Platz 17 sollte es aufgrund des grossen Zeitverlusts nicht mehr reichen. Schade für die tolle Leistung während des gesamten Renntages.

André Hunkeler hat sich in der Zwischenzeit bis auf P3 hinter Canonica vorgearbeitet. Rundenlang vermag sich Canonica noch gegen das Überholmanöver Hunkelers zu wehren, doch 3 Runden vor Schluss findet Hunkeler die Lücke und zwängt sich in Kurve 6 an David vorbei auf Platz 2.

Hinter Canonica vermag unterdessen Peter Santos-Kuster mehr und mehr Boden gutzumachen. Nach schlechtem Start bis auf Position 10 zurückgefallen, vermag sich Santos-Kuster Platz um Platz nach vorne zu arbeiten. In der letzten Runde vermag er gar noch zu Canonica aufzuschliessen, doch die Zielflagge hindert ihn daran, noch weitere Plätze gutzumachen.

Auch P5 bleibt bis zum Schluss hart umkämpft. Patrick Straubhaar behält gegenüber Mirco Jufer und Raffi Bader knapp das bessere Ende für sich. Insgesamt also ein sehr erfolgreiches Finale für das Race-Inn Team, das mit Uebersax, Hunkeler und Straubhaar gleich drei Fahrer unter den ersten Fünf platziert.



 Im Gesamtklassement kann sich nach dem Gewinn des Punktemaximums im dritten Rennen Adrian Uebersax klar auf Platz 1 behaupten, er führt nun mit 129 Punkten deutlich vor Canonica (92), Allemann (61), Grütter (56), Moosberger (55), Kuster (53), Straubhaar (49), Hunkeler (49) und Muster (47). Die geringen Abstände ab Platz 3 lassen die Spannung für die nächsten Rennen im Hinblick auf die Gesamtwertung hoch bleiben.

 

Schlussbemerkung

Insgesamt durften wir in Levier bei angenehmem Frühlingswetter ein hervorragend organisiertes und speditiv abgehaltendes Rennwochenende erleben. Die Rennstrecke im französischen Jura ist eine tolle Bereicherung für den Rennkalender, und es ist zu hoffen, dass in Zukunft wieder vermehrt Meisterschaftsläufe in Levier abgehalten werden können.

Besonders erwähnenswert ist meiner Ansicht nach auch das professionelle und disziplinierte Verhalten sämtlicher Teilnehmer der Biland Challenge. Nachdem noch im Vorjahr allzu häufig die Brechstange auf der Piste eingesetzt wurde, legen die Fahrer in dieser Saison eine hohe Fairness an den Tag. Die Ausfallquote ist somit erfreulich gering, und die Spannung auf der Piste bleibt nicht zuletzt deswegen bei der aktuellen Ausgeglichenheit des Feldes bis zum Zielstrich hoch. Herzlichen Dank an dieser Stelle allen Piloten für das vorbildliche Verhalten. Dass dies nicht selbstverständlich ist, wurde uns bei den parallel abgehaltenen Rennen des CSR demonstriert, wo die Agressivität einzelner Fahrer bisweilen unschön vorgeführt wurde.

Eine kurze Bemerkung noch zum Schluss: Leider kann ich Euch zu diesem Rennbericht abgesehen von der Siegerzeremonie kaum Bilder präsentieren, da mir trotz vorgängiger Anmeldung vom etwas gar übertrieben pflichtversessenen Präsidenten des organisierenden KC Romand, Pierre-André Berset, der Zutritt zum Renngelände verwehrt wurde. Nach seiner Auffassung sei der Zugang nur mit einem gültigen Presse-Ausweis möglich. Da dieser jedoch nur an Personen abgegeben wird, die auch ihr Einkommen mit Journalismus verdienen, muss ich in dieser Hinsicht passen. Ich schreibe die Rennberichte nämlich entschädigungslos und aus purem Idealismus für den Kartsport. Umso mehr befremdet solches Verhalten von Funktionären aus unseren eigenen Reihen, und es ist zu hoffen, dass es sich hier um eine einmalige Ausnahme oder allenfalls gar nur um ein Missverständnis gehandelt hat.

In diesem Sinne freue ich mich auf das nächste Rennen in Parma und auf eine Fortsetzung des Spektakels.

Euer Doidolino

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