Foto Gallerie
Karting.ch Foto Gallerie
Karting
Rennbericht 13. Kart Cup Monaco - 18. Oktober 2009
(doidolino) Starker Auftritt der Schweizer im Fürstentum – Ken Allemann steigt beim prestigeträchtigen Monaco Kart Cup nach einem packenden Finalrennen aufs KZ2-Podest. Nur gerade Sodi-Werkspilot Anthony Abbasse sowie Birel-Star Thomas Mich vermochten den entfesselt fahrenden Jurassier hinter sich zu halten. Doch auch die übrigen Schweizer machten deutlich, dass sie sich durchaus mit den weltbesten Gegnern messen können. Mit Kevin Lüdi (6. Platz KZ2) und Levin Amweg (10. Platz KF3) gab es zwei weitere Top Ten-Resultate zu feiern. Und auch Kurt Wenger und Tobias Borel (beide KZ2) sowie Michael Ryter (KF3) setzten im hervorragend besetzten Finalfeld positive Akzente.

Monaco präsentiert sich am Wochenende vom 16.-18. Oktober mal anders als gewohnt. Wo ansonsten der Jet Set an den Bistros zwischen Rascasse und Quai Antoine 1er entlang flaniert, wo sich ondulierte Pudel an diamantbesetzten Leinen in der noch warmen Herbstsonne räkeln, versperren Tausende von rotweissen Airfences den Weg. Der ACM, seines Zeichens auch Ausrichter des F1 GP Monaco, veranstaltet unter Obhut der CIK-FIA den 13. Monaco Kart Cup. Vor der spektakulären Kulisse der monegassischen Prunkbauten und umrahmt von Luxusyachten wird eine dem Layout des grossen F1-Kurses nachempfundene Piste aufgebaut. War dieses prestigeträchtige Einzelrennen bislang vor allem auf die Kategorie Junior bzw. später KF3 ausgerichtet, so bietet der ACM dieses Jahr erstmals auch die KZ-Piloten auf. Und der Ruf sollte nicht ungehört verhallen, die Startlisten lesen sich wie das Who is Who des aktuellen Kartsports. Birel, Sodikart, Tonykart, Intrepid etc. – alle schicken sie ihre Werksteams nach Monaco, um Lorbeeren zu ernten. Welchen Stellenwert dieses Rennen hat zeigt auch die Liste der ehemaligen Monaco-Sieger. F1-Grössen wie Michael Schumacher, Robert Kubica, David Coulthart oder Sebastian Vettel liessen sich hier bereits zu ihren Kartsport-Zeiten als grosse Sieger feiern.

Aus Platzgründen sind allerdings lediglich 80 KZ2- und KF3-Piloten zugelassen, dazu nochmals 40 Teams für das gleichzeitig stattfindende Endurance-Langstreckenrennen. Umso erfreulicher, dass in den prominenten Startlisten gleich sechs Schweizer Piloten figurieren. Spirit-Racing tritt mit den KZ-Piloten Ken Allemann, Kevin Lüdi und Tobias Borel sowie KF-Fahrer Michael Ryter an. Ebenfalls unter Schweizer Flagge stellen sich Levin Amweg (KF3) und Kurt Wenger (KZ2) der Herausforderung. Doch auch andere in der Schweiz bestens bekannte Namen sind zu finden – z.B. der ehemalige Schweizer Meister Raphaele Marciello startet mit Tonykart, allerdings mit italienischer Lizenz. Und im Endurance-Feld stösst man unter anderem auf die Schweizer F2-Pilotin Natacha Gachnang sowie Rotax Vizemeister Melville McKee, die sich in drei 2h-Rennen gegen Konkurrenten wie Nelson Piquet jun. und Co. durchsetzen wollen. Man darf gespannt sein, wie sich die Schweizer in Szene setzen können.

Coupe du Gouvernement / Kategorie KF3: Amweg schnuppert am Podest

Beim Lesen der KF3-Starterliste fällt es schwer, einen absoluten Top-Favoriten zu nennen – viele Wetten würden aber wohl auf Giuliano Niceta (I), Nyck De Vries (NL), Carlos Sainz (E), Nicolas Gonzales (F), Pascal Belmaaziz (F), Pierre Gasly (F) oder auch Raffaele Marciello (I) abgeschlossen werden. Im Zeitfahren setzt von den Genannten dann aber in erster Linie Carlos Sainz junior, der schnelle Sprössling des unvergessenen gleichnamigen Rallye-Weltmeisters eine erste Duftmarke. Sainz verweist Jaminet und Gonzales hauchdünn auf die Plätze, Marciello als Vierter büsst ebenfalls nur gerade 4 Hundertstel auf den Polesetter ein. Verhalten starten hingegen die beiden Schweizer in die Konkurrenz – Ryter büsst als Siebzehnter 0.5 sec ein, Amweg verpasst die Bestmarke gar um eine volle Sekunde.

Entsprechend den knappen Zeitabständen aus dem Qualifying geht es auch in den Vorläufen eng zu und her. Jaminet, Sainz und Gasly gewinnen je ein Rennen und verschaffen sich damit die beste Ausgangslage für die Finalläufe. Etwas Aufwind finden nun auch Ryter und Amweg, die sich auf Position zwölf bzw. fünfzehn verbessern können. Der Weg in die Top-Ten scheint nun möglich. Pech haben indes Marciello und De Vries, die zwar stets bei den Schnellsten mit dabei sind, in je einem Vorlauf aber crashen und somit das Préfinale mit Handicap angehen müssen.

Das lange Warten hat nun ein Ende, endlich stehen die Finalläufe auf dem Programm. Die Ampel schaltet auf Grün, Sainz übernimmt aus P2 umgehend das Kommando und reisst zusammen mit Belmaaziz gleich eine Lücke auf die Verfolger auf. Im Startgetümmel gelingt auch den Schweizern ein toller Rennbeginn, insbesondere Amweg vermag in der ersten Runde nicht weniger als sieben Positionen gut zu machen und liegt damit schon gleichauf mit Ryter, der ebenfalls Plätze gutmachen kann. Doch noch besser kommt es im zweiten Umlauf, das Eidgenossen-Duo pfeilt an weiteren Gegnern vorbei, die zweite Zieldurchfahrt registriert bereits P5 und P6 für Ryter und Amweg. Drei Runden lang halten die zwei ihre Position, danach trennen sich ihre Wege. Während Ryter nun im dichten Pulk einige Positionen einbüsst läuft Amweg zu Höchstform auf, liegt zu Rennhälfte gar auf Platz drei, bevor er in der letzten Runde den Russen Dmitry Suranovich wieder passieren lassen muss. Ryter beendet das Rennen schliesslich auf dem achtbaren zehnten Platz inmitten stark einzuschätzender Gegner. Ach ja, einen Sieger gabs ja auch noch – Sainz hält Belmaaziz über die gesamte Renndistanz in Schach und überquert die Ziellinie als Erster. Riesenpech haben hingegen die beiden Mitfavoriten De Vries und Marciello, die nach einem Crash am Ende der Rangliste figurieren und ihre Podestchancen im abschliessenden Finale wohl abschreiben dürften.

Die Spannung steigt, das Feld formiert sich zum entscheidenden Finallauf. In breiter Front rast die Meute auf die Schwimmbad-Schikane zu, zu breit für Michi Ryter. Der Schmerikoner wird nach aussen abgedrängt und vermag sich nicht mehr in den vorbeipfeilenden Schnellzug einzuordnen. Praktisch stillstehend verliert Michi seinen hart erkämpften Top Ten-Platz aus dem Préfinale und reiht sich erst an 23. Stelle wieder ein. Das Rennen ist für Ryter damit beim Start schon gelaufen, schade! Am Ende sollte Ryter auf P17 ins Ziel kommen. Viel besser läuft‘s Amweg, der sich hinter dem erneut enteilenden Duo Sainz/Belmaaziz nun gar an die dritte Stelle vorkämpft. Doch Levin kann sich nicht freifahren, Suranovich und Damiano Fioravanti (I) hängen wie Kletten am Schweizer. Im fünften Umlauf pfeilt sich Suranovich auf der Zielgeraden vorbei, etwas später muss Levin auch Fioravanti passieren lassen. Noch immer vermag Amweg aber die Pace der beiden mitzugehen. Ob er für die Schlussphase wohl nochmals einen Angriff aufs Podest starten kann? Doch es sollte anders kommen. Amwegs Kart baut in den letzten Rennrunden dramatisch ab, der Tony-Pilot wird nun brutal durchgereicht und beendet das intensive Rennen schliesslich nur noch auf Rang zehn. Eigentlich noch immer ein gutes Resultat, angesichts der zeitweiligen Podest-Platzierung aber schlussendlich doch eher enttäuschend für den ehrgeizigen Berner. Den Champagner versprühen dafür Sieger Sainz, der zweitplatzierte Belmaaziz sowie nach einem Schlussspurt auch noch Remy Deguffroy (F). Vierter wird ein entfesselt fahrender Nick De Vries, nachdem er vom 34. Platz ins Rennen gehen musste.

Coupe de la Ville de Monaco / Kategorie KZ2: Allemann auf dem Podest!

Erstmals in der Geschichte des Monaco Kart Cups stehen die ultraschnellen Getriebekarts am Start, eine echte Herausforderung auf der unruhigen und schwierig zu fahrenden Rennstrecke. Aufgrund der engen Platzverhältnisse und der fehlenden Auslaufzonen ist insbesondere im Zweikampf eine feine Koordination zwischen Lenkrad, Gaspedal und Bremse gefragt – eine Gratwanderung, wie sie auch die F1-Piloten auf der klassischen Monaco-Strecke jährlich vorgesetzt bekommen.

Im Schweizer Team liegen die Hoffnungen vor allem auf den beiden Spirit-Teamkollegen Ken Allemann und Kevin Lüdi, doch auch Tobias Borel zeigt von Beginn weg eine starke Leistung. Das Liste mit den Ergebnissen des Zeitfahrens spuckt Allemann auf P6 aus, Borel dürfte mit Position 12 ebenfalls zufrieden sein. Etwas Enttäuschung ist bei Kevin Lüdi zu spüren, der mit der 19. Zeit im Qualifying über eine Sekunde auf die Pole einbüsst. Kurt Wenger als vierter Eidgenosse erkämpft sich Startplatz 20. Die schnellsten Zeiten fahren indes die Werkspiloten – Bas Lammers (Intrepid/NL) und Norman Nato (Intrepid/F) liegen deutlich vor Anthony Abbasse (Sodi/F) und Thomas Mich (Birel/F).

In drei Vorläufen werden nun die Startplätze für die Finalrennen herausgefahren. Den Schweizern gelingt ein vielversprechender Beginn, schon im ersten Rennen fahren Ken, Tobias und Kevin Top-Ten Plätze heraus, wobei Allemann als Vierter seine Ambitionen schon mal deutlich macht. Borel gelingt auch im zweiten Vorlauf mit P5 ein Spitzenergebnis, während Allemann sein zweites Rennen nach einem Harakiri-Angriff des letztjährigen 4-Takt Siegers Fabian Federer in den Airfences begräbt. Erfolgreicher zeigt sich Kevin Lüdi, der mit dem 9. Rang im zweiten Vorlauf wie Borel beide Rennen in den Top Ten abschliesst. Zufrieden gibt sich auch Kurt Wenger, der mit P19 und P10 aus dem Mittelfeld in die Finalrennen starten wird. Die Summe der Vorläufe listet Norman Nato als Polemann fürs Préfinale auf, gefolgt von Lammers, Abbasse und Mich. Dicht dahinter wird bereits Borel starten, während sich Lüdi, Allemann und Wenger aus P12, 16 und 20 ins Préfinale stürzen.

So, nun geht’s langsam ans Eingemachte. Das Prefinale wird gestartet und gleich von der ersten Sekunde an wird mit Haken und Ösen um jeden Zentimeter gekämpft. Das Spitzenquartett mit Nato, Lammers, Abbasse und Mich reisst rasch eine Lücke aufs Verfolgerfeld auf, wenig dahinter behauptet Borel vorerst den tollen siebten Platz. In Runde fünf ist dann aber der Ofen aus, Borel parkt sein Gefährt nach einem Crash neben der Strecke, erneut ist Federer der Übeltäter, wie vorher schon bei Allemanns Crash. Fast gleichzeitig beendet auch Leader Nato seine Fahrt unsanft in der Hafenschikane, Lammers übernimmt nun die Führungsarbeit. Borel, bislang aus Schweizer Sicht auf aussichtsreichster Position auf einen Spitzenplatz, kann nun vom Streckenrand aus zusehen, wie Ken in die Bresche springt. Ab Runde vier legt Allemann eine Fahrt hin, die schlicht Bewunderung verdient. Innert weniger Runden prescht der Birel-Pilot von P15 bis auf P5 vor. Auch die Kameras haben Ken’s Aufholjagd nun im Visier, die Gross-Bildschirme entlang der Strecke zeigen seine spektakulären Überholmanöver. Am Ende reicht es dennoch „nur“ für Rang sechs, nachdem Weltmeister Piccini Ken in der letzten Runde in der Hafenschikane niederringt. Auch Ken’s Teamkollege Kevin Lüdi zeigt nach einer schwierigen Anfangsphase ein tolles Rennen und stösst nach zahlreichen Überholmanövern ebenfalls noch auf P8 vor. Kurt Wenger erreicht das Ziel auf Platz 19.

Doch jetzt steht das Finale bevor, die Stunde der Entscheidung. Das erklärte Ziel eines jeden Piloten ist das Podium, alles andere ist Beilage. Ob es wohl ein Schweizer aufs begehrte Treppchen schafft? Das lange Rennen über 28 aufreibende Runden wird die Antwort bringen. Die Ampel schaltet auf grün, Lammers presst sich als Leader vor Piccini, Mich und Abbasse in die Schwimmbadschikane. Dahinter schiebt sich Lüdi nach einem Blitzstart auf P6, den ihm aber Allemann gleich wieder abkauft. Lüdi büsst nun im dichten Pulk nochmals fünf Plätze ein, kämpft sich aber bald wieder nach vorne. Allemann seinerseits beisst sich nun dicht hinter der Spitze fest und visiert ein Spitzenergebnis an. Der nächste Platzgewinn folgt, als Leader Lammers beim Schwimmbad mit Motorschaden ausrollt. Die Spitzengruppe dezimiert sich weiter, nachdem auch Piccini ausscheidet. Allemann ist bereits Vierter, während Abbasse den inzwischen führenden Thomas Mich ausbremst und in der Folge allen Gegnern enteilt. Das Podium für Allemann ist nun in Griffweite, Ken fährt weiterhin fehlerfrei und kämpferisch. In Runde 12 ist es schliesslich soweit, Allemann liegt mit Trettenbein und Piccini im Infight und setzt sich gegen beide Gegner durch, als Lohn für die gelungene Aktion liegt Ken nun auf dem ersehnten Podestplatz. Der 10-fache Schweizer Meister hat jetzt freie Fahrt und rückt gegen Rennende immer näher zu Thomas Mich auf, dessen Kondition sichtlich nachlässt. Liegt wohl gar noch der zweite Platz drin? Doch auch von hinten droht Gefahr, Intrepid-Werksfahrer Norman Nato krallt sich an Ken’s Heck fest. Aber bald schon fällt die Zielflagge, Ken wird hinter Abbasse und Mich tatsächlich als Dritter abgewunken und steigt damit strahlend aufs Podium. Doch auch Kevin Lüdi strahlt im Ziel über beide Backen, der siebte Schlussrang rundet das tolle Schweizer Ergebnis ab. Am Ende sollte es gar P6 werden, da die Stewards den vor ihm liegenden Trettenbein nachträglich wegen Missachtung der Flaggensignale disqualifizieren. Ein solides Rennen liefert auch Kurt Wenger mit dem 15. Finalrang ab, einzig Tobias Borel dürfte nach seinem erneuten Ausfall etwas mit dem Schicksal hadern, nachdem er lange Zeit als aussichtsreichster Schweizer klassiert war.

Soweit die kurze Berichterstattung aus Monaco – man darf ganz einfach stolz sein auf die gelungene Darbietung der Schweizer Piloten, die sich inmitten der Weltelite prächtig zu präsentieren wussten.

euer Doidolino

Final KF3

Final KZ2