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Kart Rennbericht Grand Prix Schweiz Wohlen - 5. April 2010
(doidolino) Ostermontag – für viele ein Fixtermin für das grosse Stelldichein im Gotthardstau. Nicht so für die Fans des Schweizer Kartsports, die sich traditionsgemäss auf der Kartbahn Wohlen zum ersten grossen Schweizer Kartrennen einfinden. Unter dem klingenden Namen GP Wohlen wetteifern 80 Rotax- und Rok-Piloten um die begehrten Pokale für den Tagessieg.

In gewohnt souveräner Manier organisiert die KGRZ Kart-Renngemeinschaft Zürich einen umfangreichen Renntag. Nicht weniger als sieben Startfelder treten zu Qualifying und je 3 Rennläufen an - ein ambitioniertes Vorhaben, welches das eingespielte Team um Rolf Carigiet jedoch problemlos meistert. Auch die Fahrer und Fahrerinnen leisten ihren Beitrag mit engagiertem und dennoch fairem Wettbewerb, wobei auch die zahlreichen Neulinge bald bestens mit dem Renngeschehen klar kommen. Was bei der einprägsamen frühmorgendlichen Flaggenkunde des Rennleiters vielleicht noch nicht hängengeblieben ist wird spätestens auf der Rennstrecke bald jedem klar.

Zuguterletzt scheint auch Petrus ein Freund des Kartsports zu sein. Nach letzten Regentropfen am frühen Morgen klart der Himmel im Rüebliland bald auf, die Strecke trocknet rechtzeitig für die Rennläufe vollständig ab, einem spannenden Renntag steht nichts mehr im Weg.

Mini Rok: Souveräner Gjergi Haxhiu

Den 11 Mini-Rokkern gehört die Ehre, den Renntag zu eröffnen. Schon im Zeitfahren deutet sich ein Duell an zwischen Fabrizio Reich sowie Gjergi Haxhiu, dem aktuellen ASS-Mini- und ROK-Mini Vizemeister. Reich erringt die Pole schliesslich mit einer Hundertstelssekunde Vorsprung auf Haxhiu.
Doch in den Rennläufen schlägt Haxhiu zurück. Nur gerade im ersten Vorlauf darf sich Reich über zwei Führungsrunden freuen, bevor ihn Gjergi mit einem perfekt getimten Angriff passiert. In der Folge kontrolliert der von Niklaus Gurtner bestens betreute Swisshutless-Fahrer Rennen um Rennen und fährt sämtliche Laufsiege ein. Fabrizio gibt ebenfalls sein Bestes und löst ein Dauer-Abonnement auf den zweiten Rang. Im Finale gesellt sich mit Noel Jörg ein weiteres Jungtalent als Dritter aufs Podest.

Für Spektakel anderer Art sorgt indes Patrick Pieth, der im ersten Vorlauf wohl manchen Zuschauer mit einem furchteinflössenden Crash an den Rand einer Herzattacke gebracht haben dürfte. Pieth gerät auf der Zielgeraden beim Überrunden eines Gegners an dessen Hinterrad und zeigt mitsamt seinem Kart einen gestreckten Vorwärtssalto mit einfacher Schraube. Beim Eiskunstlaufen oder Kunstturnen gäbe dies sicherlich die Maximalpunktezahl, beim Kartfahren ist dieses Kunststück hingegen kontraproduktiv und führt eher zu Kopfschmerzen oder Schlimmerem. Doch Patrick hat Glück im Unglück, er steht sogleich wieder auf den Beinen, allerdings mit einigem Schaden am Kart und Totalschaden an seiner Osterlaune. Dies hingegen ist verständlich, umso erfreulicher ist es, dass Patrick bei den weiteren Rennen wieder am Start steht und gar noch einen dritten und fünften Platz herausfährt. Da hat einer Moral bewiesen….

Mini Max / Openmini: Meichtry und Hirsiger auf dem Podium

Mit sichtlicher Vorfreude auf die neue Kartsaison treten auch die Minimax- und Openmini-Fahrer zum GP Wohlen an. Schon im Qualifying auf noch feuchter Strecke geht’s beherzt zur Sache, was sich auch im einen oder andern Dreher manifestiert. Die Minimax-Pole gehört schliesslich Birel-Pilot Felix Hirsiger, der sich die erste Startreihe mit Alessandro Felber teilt. Dicht dahinter lauert mit Boris Kaech ein weiterer Fahrer mit Ambitionen auf den Tagessieg. Die Gruppe der Openmini-Fahrer führen Antonio Barone und Justin Meichtry an.

In den Rennläufen wird bald klar, dass heute kaum ein Weg an Hirsiger vorbei führt – zu überlegen braust der junge Stäfner dem Feld davon. Tatsächlich heimst der für die aktuelle Saison vom Spirit Karting Team betreute Blondschopf sämtliche Laufsiege ein, ohne auch nur einen einzigen Führungsmeter abzugeben. Logisch, dass Felix auch am Ende des Tages zuoberst vom Podium strahlt. Um die Ehrenplätze wird indes hart gekämpft, wobei sich gleich mehrere Fahrer dafür bewerben. Allen voran Boris Kaech und Alessandro Felber, doch auch Rudolf Rhyn und Felix Kotyk mischen wacker vorne mit. Schliesslich setzen sich aber doch Kaech und Felber durch und begleiten den glücklichen Felix auf dem Siegerpodium sowie auf der Ehrenrunde im Dunlop-Mobil.

Umstritten verläuft auch die Entscheidung in der Kategorie Openmini. Antonio Barone, seines Zeichens Mini-Meister 2008, setzt sich in den Vorläufen gegenüber Justin Meichtry durch. Meichtry weiss hingegen im entscheidenden Finallauf zu kontern und distanziert seinen Gegner deutlich. Für Barone bleibt immerhin der zweite Platz, komplettiert wird das Podium durch den drittplatzierten Robin Furrer.

Rok Junior / Rok Club: Überlegene Siege für Amweg und Aguiar

Mit zu den spannendsten Entscheidungen gehören erfahrungsgemäss die Rennen der Rok Junioren – auch am GP Wohlen sollte dies nicht anders sein. Schon im Zeitfahren deuten knappe Zeitabstände an der Spitze darauf hin, dass hochkarätige Wettbewerbe erwartet werden dürfen. Samuel Sätteli powert sich auf noch feuchter Strecke auf Pole, dicht gefolgt von Kevin Jörg, Annika Lundin und Raphael Wohlwend. Mitfavorit Severin Amweg kommt noch nicht auf Touren und reiht sich auf dem 10. Startplatz ein.

Die Ampel schaltet auf grün, das Feld staucht sich in die erste Kurve, der Platz an der Spitze wird eng. Zu eng für Sätteli, der gleich mehrere Plätze einbüsst. Jörg und Lundin übernehmen die Spitze, dahinter pfeilt sich bereits Levin Amweg auf P3. Doch das Duo Jörg / Lundin scheint prächtig sortiert und reisst bis Rennhälfte eine komfortable Lücke auf Amweg auf – der Sieg scheint nur für Jörg und Lundin möglich. Doch zu früh gefreut….. Zuerst wird Annika beim Überrunden gleich mehrmals aufgehalten, Kevin zieht nun allein davon, bevor er in der vorletzten Runde mit losem Vergaser neben die Piste rollt. Levin Amweg presst sich derweil an Lundin vorbei und holt sich unerwartet doch noch den Sieg.

Im zweiten Vorlauf startet Amweg nun aus Pole und lässt sich die Spitze nicht mehr abjagen, auch wenn Lundin sowie die Geschwister Wohlwend mächtig Druck machen. Bis in die Schlussphase des Rennens lassen sich die Gegner nicht abschütteln, bevor Fabienne Wohlwend auf P2 liegend ebenfalls beim Überrunden von Nachzüglern in einen Dreher gerät. Amweg hat nun etwas Luft, einzig Kevin Jörg rückt in der Schlussrunde nochmals bedrohlich auf. Annika Lundin und Raphael Wohlwend erreichen das Ziel auf P3 und P4.
Nun geht es um die Wurst bzw. die Siegerpokale, das Finale steht an. Erneut liegt es an den bekannten Protagonisten, dem Rennen den Stempel aufzudrücken. Severin Amweg jagt aus der Pole wie gewohnt in Führung, dahinter formiert sich eine Verfolgergruppe mit Lundin, Jörg und Raphael Wohlwend, welche Severin jedoch nicht mehr in Bedrängnis bringen können. Überlegen rast der junge Berner nun zum verdienten Sieg, während sich Jörg und Wohlwend auf den weiteren Podestplätzen etablieren. Annika Lundin verpasst das Podium hingegen knapp und muss sich am Ende gar noch gegen die ebenfalls aufrückende Fabienne Wohlwend zur Wehr setzen.

Bei den Club-Piloten ist hingegen die Sache von Beginn weg klar, zu überlegen agiert Rafael Aguiar, der auf seine Gegner regelmässig fast eine halbe Runde Vorsprung herausfährt. Aguiar, 2009 Gesamtdritter des Rok Cups, vermag in den Rennen gar zu den früher gestarteten Junioren aufzuschliessen und bietet in allen drei Läufen eine grossartige Show. Rafael strahlt denn auch als verdienter Sieger zuoberst vom Club-Podium.

Rok GP: Eberle kämpft sich zum Tagessieg

Mit Spannung wird das Rennen der Kategorie Rok GP erwartet. Zwar stellt sich nur ein kleines Feld der Herausforderung, dieses ist dafür hochkarätig besetzt. Neben dem aktuellen Meister Martin Hubler dürften auch Pascal Eberle, Patrick Näscher und Levin Amweg Ambitionen auf den Sieg hegen, zudem misst sich mit Ex A1-GP Weltmeister Neel Jani auch ein bestens bekannter Gastfahrer mit der aktuellen Kartgilde.

Die genannten Piloten drücken denn auch den Rennen gleich ihren Stempel auf, wobei sich Eberle, Hubler und Amweg in rascher Folge an der Spitze ablösen. Mit zunehmendem Rennverlauf werden die Kräfteverhältnisse klarer, Eberle und Hubler formieren sich zum Spitzenduo, gefolgt von Näscher und Jani, die ebenfalls in engem Infight um P3 fahren. Während Hubler die beiden Vorläufe gewinnt schlägt im Final die grosse Stunde für Pascal Eberle. Bis Rennmitte hängt Hubler wie ein Schatten in Eberles Heck, doch dann vermag sich der St. Galler zu lösen und pfeilt dem hart erkämpften und damit auch verdienten Tagessieg entgegen, während sich Hubler mit P2 zufrieden gibt. Jani’s Pace lässt zum Rennende etwas nach, somit ist auch für Patrick Näscher der Weg aufs Podium frei, Neel hingegen verpasst das angestrebte Siegertreppchen um eine knappe Sekunde. Dennoch hat Neel einmal mehr bewiesen, dass er auch im Kart kaum etwas von seinem Können verlernt hat. Bleibt zu hoffen, dass es im Verlauf der Saison nochmals zu einem Gastauftritt reicht.

Rotax Junior / Club / Master: Siegerpokale für Carigiet, Hahn, Säuberli und Vogel

Im fünften Startfeld des Tages präsentiert sich die Situation etwas unübersichtlich, da in diesen Rennen nicht weniger als vier verschiedene Kategorien um Sieg und Pokal kämpfen. Zum einen die Rotax Junioren, dazu die Club- und Masterfahrer, und schliesslich auch die Kategorie Open mit Shaun Vogel, der mit KF3-Befeuerung quasi ausser Konkurrenz dem Feld gehörig davonfliegt. Vogel ist als Sieger somit unumstritten.

Spannung kommt hingegen bei den Junioren auf. Pascal und Alain Carigiet, Yanick Jäger, Jan Schwitter, Giorgio Maggi und Vinzenzo Alvaro geben sich auf der Strecke die Harke, wobei das eine oder andere Mal auch Späne fliegen. Pascal Carigiet hat schliesslich über sämtliche Rennen gesehen den längsten Atem und ringt seine Gegner mit viel Kampfgeist und Klasse nieder, doch auch Alvaro, Schwitter und Jäger schnuppern zeitweilig Führungsluft und lassen dabei ihre Qualitäten ebenfalls aufblitzen. Bei soviel Kampfgeist darf von der jungen Rotax-Truppe in der anstehenden Saison wohl noch einiges erwartet werden. Schliesslich gehört das Podium am Ende eines intensiven Tages aber verdient Pascal Carigiet, Giorgio Maggi und Yanick Jäger, die nach einem packenden Finallauf fast nebeneinander über den Zielstrich jagen.

Klarer fällt die Entscheidung bei den Club- und Masterpiloten. Elio Hahn dominiert die Club-Wertung fast nach Belieben und distanziert Philipp Hermann und Benjamin Spouse um mehr als eine Gerade, ähnlich wie Masters-Sieger Max Säuberli, der Marcel Bleiker ebenfalls klar in die Schranken zu verweisen vermag.

Rotax Challenge: Santoro in Bestform

Erwartungsvoll sieht das Publikum auch den Rennen der Rotax Challenge entgegen, in deren Startliste ebenfalls zahlreiche ambitionierte Fahrer aufscheinen. Kronfavorit dürfte wohl der dreifache Rotax-Meister Dario Santoro sein, doch auch Mike Zürcher, Jérôme Schwab, Robin Güdel, Alain Baeriswyl und Michael Jann werden sich wohl Hoffnungen auf Spitzenplätze machen.

Der Renntag beginnt denkbar schlecht für Santoro – im Qualifying rollt der Favorit schon nach wenigen Metern mit defekter Zündung neben die Strecke, der letzte Startplatz ist die Konsequenz. Besser macht es hingegen Alain Baeriswyl, der sich auf feuchter Piste zur Pole powert. Jann, Forrer, Schwab und Zürcher lauern dahinter auf ihre Chance.

Pünktlich zu den Rennläufen zeigt sich die Sonne, die Strecke ist inzwischen vollständig abgetrocknet. Entsprechend angriffig werden die Rennen angegangen – für manchen zu angriffig. Pole-Setter Baeriswyl wie auch die aus P2 und P3 startenden Jann und Forrer werden schon in der ersten Kurve durch die Mangel gedreht. Für Jann (gebrochener Auspuff) und auch Forrer ist das Rennen zu Ende, Baeriswyl kann immerhin weiterfahren – eine tolle Aufholjagd bringt ihn am Ende noch auf P4. Doch die ganz grosse Show zeigt ein anderer, nämlich Favorit Dario Santoro. Der von ganz hinten gestartete Oberglatter pfeilt unwiderstehlich durchs Feld und liegt schon nach drei Runden in Führung. Santoro scheint diese Position so gut zu gefallen, dass er sie während des gesamten Renntages nicht mehr abgeben sollte.

Doch ganz kampflos fallen ihm die Siege dann doch nicht in den Schoss. Allen voran Robin Güdel fordert dem Leader alles ab und duelliert sich insbesondere im Finale auf hohem Niveau mit dem Leader. Doch Santoro kontrolliert das Geschehen und lässt sich den Spitzenplatz sowie den Siegerpokal nicht mehr abjagen, den er auf dem Podium flankiert von Güdel und Jann strahlend entgegen nimmt.

Die Saison ist damit lanciert, die Favoritenrolle bereits besetzt, doch auch die Herausforderer dürften im Verlauf der Saison noch oft von sich reden machen. Da kann man sich doch jetzt schon darauf freuen!

Rotax DD2: Unwiderstehlicher Gino Tengg
Last but not least stehen auch die Entscheidungen in der Rotax-Königsklasse DD2 an. Leider ist das Starterfeld zum Saisonauftakt noch bescheiden, nur gerade acht Karts stellen sich am Vorstart auf. Aber dies soll kein Grund sein, auf der Strecke nicht herzhaft Gas zu geben.

Und dabei sticht einer ganz besonders heraus – DD2-Neuling Gino Tengg drückt dem Feld gleich gehörig den Stempel auf. Sämtliche Routiniers müssen sich der Pace des CRG-Piloten geschlagen geben, Tengg entscheidet sowohl das Qualifying als auch sämtliche Rennläufe klar für sich. Ob da wohl ein neuer Stern am DD2-Himmel aufgeht?

Erbittert wird indes um die weiteren Positionen gekämpft. Allen voran Antonio Ruggiero, Markus Mühlemann, Patrick Aebi, Philipp Hirschi und Fabian Lütolf pressen das Letzte aus ihren Schaltkarts heraus, um die verbleibenden Podiumsplätze zu sichern. Schliesslich behält Ruggiero dabei die Oberhand, er gesellt sich zusammen mit dem drittplatzierten Aebi zu Tengg aufs Siegerfoto.

Soweit die Berichterstattung zum Saisonstart auf einheimischem Boden. Nochmals herzlichen Dank an alle Pilotinnen und Piloten für engagierte und faire Rennen, ebenso den Organisatoren und zahlreichen Helfern am Pistenrand. Freuen wir uns jetzt schon auf eine spannende und hoffentlich unfallfreie Saison 2010.

Euer
Doidolino

Resultate

ROK Mini
ROK Junior / Club
ROK GP
Rotax Mini, Micro, Openmini
Rotax Junior / Club / Master
Rotax Challenge
Rotax DD2