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Kart Rennbericht 1. Lauf Schweizermeisterschaft Lévier (F) vom 19./20. Mai 2007

Für den ersten Schweizermeisterschaftslauf im französischen Jura hatten sich über 100 Kartfahrer der verschiedenen Fahrer beim veranstaltenden Kart Club Romand eingeschrieben.

Manch ein Fahrer wäre gerne ebenfalls dabei gewesen. Da die Nachfrage der neuen TAG- Longlife Motoren extrem gross ist, kommt die Industrie mit produzieren und liefern nicht nach. Als besonderer Engpass kristallisierte sich die Verfügbarkeit von Kabelsträngen und Zündungen heraus. Wenn ein Team oder ein Tuner genügend Komponenten ergattern konnte so durfte er sich „VON“ schreiben.

Insbesondere die Felder der neuen KF2/KF3 sind ein Jammer. Nur gerade 14 Junioren (KF3) und 20 Senioren (KF2) stellten sich dem Wettkampf. Gemäss den verschiedenen Anwesenden Händler soll sich die Lage in den nächsten Wochen relativ schnell entspannen. Also gute Aussichten für Interessierte Mitbewerber.

Klassische Motorschäden; Klemmer, oder die gefürchteten Zündungsschäden wurden wärend dem ganzen Rennwochenende nicht beobachtet.

Wettermässig hatte Petrus ein grosses Kartrennfahrerherz und liess nur das KZ2 Feld im Finale auf Regenpneu an den Start gehen. Ansonsten erwärmte meist die Sonne den Aspalt. Einige Wolken liessen die Temperaturen in angenehmen Rahmen.

 

Klassenwechsel von Michaela Caviezel

Am Samstagabend zirkulierten verschiedene Gerüchte und Spekulationen. Auf dem Latrinenweg wurde die Meldung einer Umnennung, von KF2 zur Swiss Open 100, von Michaela Caviezel herumgereicht. Das freie Training fuhr die schnelle Bündnerin noch mit einem KF2 angetriebene Motor. „ Aus verschiedenen Gründen wechseln wir in die Swiss Cup 100 Kategorie..“ lässt Heinz Caviezel am Sonntagmorgen ausrichten. Radio Fahrerlager war mitten drin statt nur dabei….

 

Kategorie Mini

Junges Bündner Talent, Reich, überrascht

Nach der sonntäglichen Motorenauslosung trabten die Kleinsten zum Zeittraining an. Der Churer Fabrizio Reich überraschte die versammelte „Mini“-Familie. In seinem ersten Schweizermeisterschaftlauf schafte er seine erste Poleposition.

Zum Finale herrschte bei den jungen Cracks doch heftige Nervosität. Den einen oder anderen hielt es nicht immer auf der Piste. Bei Ausrutschern in das Kiesbett verloren die kleinen neben wichtigen Plätzen auf viele Schweisstropfen beim Zurückschieben und Zerren der gestrandeten Karts.

Geschickt hielt sich Fabrizio Reich aus allen Scharmützel heraus und fuhr zwischenzeitlich auf Rang drei. Shaun Vogel führte das Feld locker an. Einige Runden vor Schluss packte Valentina Nessi den Ehrgeiz und versuchte das fast Unmögliche. Ende Zielgerade verpasste Sie den Bremspunkt und fetzte den Führenden Vogel mit in das Kiesbett. Schnell wurden die Karts wieder flott gemacht aber die Spitze war weg. Ein überglücklicher Reich wurde als erster vor Vogel und Barone ab gewunken. Eine eindrückliche Aufholjagd zeigte Michael Müller der noch am Morgen mit einem „lahmen“ Motor im Zeittraining zu kämpfen hatte.


Kategorie Supermini

Amweg Express von Alain Valente gefordert

Das grösste Feld des Tages zeigte exzellenten Supermini Sport. Da wurde gefightet und kein Millimeter preisgegeben. Das da am Start auch mal etwas in die Hose geht, scheint die Heisssporne nicht zu hindern. Matheo Tuscher erlebte dies im Vorlauf am eigenen Laib. Ein Mitbewerber jumpte via rechtes Hinterrad mit voller Kanne in seinen Oberarm. Nach kurzer Visite beim Streckenarzt sah man den jungen Tony Fahrer den ganzen Tag mit dem Arm in der Schlaufe. Gebrochen war nichts, eine Prellung muss in den nächsten Tagen auskuriert werden. Im Finale erreichte er den ausgezeichneten sechsten Rang. Da soll einer sagen, die heutigen Jungen können nichts einstecken. Also merke, Indianer und Kartfahrer kennen definitiv keine Schmerzen….

Das Zeittraining beendet Alain Valente knapp vor den Geschwister Amweg.

In den Vorläufen wechseln sich die bekannten Kontraenden mehrmals in der Führung ab. Das Spiel wurde im Finale weitergeführt. Severin Amweg führt sicher vor Levin und Alain. Beim letzten Bergaufstück vor dem Ziel versucht es Levin ein letztes Mal und huscht knapp an seinem Bruder vorbei. Im Schlepptau hängt sich Valente und nutzt den letzten Knick vor dem Ziel und sichert sich den zweiten Platz. Wie locker die Jungs Niederlagen aber auch Freude zeigen können, beweist der herzliche Shakeshand auf der Auslaufrunde.

Hinter der Spitze ging es wesentlich gesitteter zu und her. Zeitweise war das Feld wie an einer Perlenschnur aufgereiht. Einzelne Ueberholmanöver endeten als kurze Fahrt im Kiesbett, mit einer Rally- (Kart) Cross Einlage.

Spezielles Pech hatte Yannick Senn im 2.Vorlauf, ein verbogener Achsschenkel war nicht zu organisieren. Geschickte kräftige Hände richteten das Teil und schon kullerten Freudentränen über die roten Backen, als Vorfreude, dass er das Finale doch noch bestreiten durfte.


Kategorie Swiss Cup 100

Caviezel Motorsport ergänzt sich grossartig

Das Zeittraining und die ersten zwei Vorläufe wurde noch eine klare Sache für Fabian Stutz (Caviezel Motorsport). Im ersten Vorlauf schied Michaela Caviezel mit einem „doofen“ Defekt aus. Die Befestigung des Vergasers und Membrangehäuse hat sich schon nach einigen Runden selbstständig gemacht. Uf guat bündner düütsch; „en Schruubä am Vergaser verlorä…“ Durch diesen Ausfall startet sie in den anschliessenden Läufen immer relativ weit hinten. Dass Micha „keine Schruubä“ verloren hat, zeigte sie im Finale. Konsequent und klug fuhr sie an die Spitze und strahlte vom obersten Podestplatz. Pech hatte der Vorlauf-Dominator Fabian Stutz, der Schatz von Micha ereilte fast das gleiche Schicksal. Noch schlimmer, die beiden Befestigungsschrauben zum Vergaser sind schlicht abgebrochen… Nach dem Ausfall von Stutz führte Thierry Kilchenmann das Feld an, wurde aber zusehends von Caviezel unter Druck gesetzt. Ein grober Fahrfehler und schon war die Vorfreude vorbei. Dahinter fuhr Michael Rogg mit geschickter Fahrweise ins Ziel vor Walser und Weibel

Einen Megaschrecken; für die Zuschauer, fabrizierte Tingeley , als er nach dem Start zum zweiten Vorlauf einen Salto direkt vor die Füsse des Karting Fotografen machte. Eine kurze erste Hilfe und es konnte weiterfotografiert werden. Bei der Flugeinlage zog Tingeley Schürfungen an Knie, Ellbogen und Hände zu. Weitere „Bläuelen“ zierten seinen Körper als der Fotograf den Kunstflieger im Krankenauto konsultierte…. wer kennt keine Schmerzen? Indianer und Kartfahrer.


Kategorie KF3 (neue TAG Longlife Motoren Junioren)

Lello2 und Tschüss

Das Zeitfahren wurde noch eine Beute des amtierenden Junioren Biland Weltmeisters; Alex Fontana, dahinter von Aesch und Marciello ….

Ein Missverständnis von Alex Fontana der sich eine Runde zu früh über den Laufsieg freute, bemerkte diesen Fehler zu spät, als er nicht mehr kontern konnte. In den nächsten Rennläufen änderte sich das Blatt. Marcello setzte sich jeweils schon nach dem Start an die Spitze und war nicht mehr einzuholen. Lello2 (auf dem Zylinderblock mit Schlagzahlen eingeprägt) scheint ein guter Motor zu sein. Ohne Murren und klagen surrte das MRC Mötörli die Runden ab. Dahinter gings dafür ums heftiger zu und her. Einmal wollte der Motor von Fontana nicht anspringen und er musste sich durch das Feld quälen. Das andere Mal liess sich Lamotte zu einem Foul hinreisen und kassiert von der Rennleitung eine 10 Sekunden Strafzeit und verliert den geglaubten vierten Rang. Beim Start zum Finale verliert Jasmine Preissig ihre gute Startposition. Gekonnt pirscht sie sich den Buben wieder auf die Pelle. In der Senke beim Bahnrestaurant überholt sie in einem sauberen Ueberholmanöver und macht Boden gut. Die freundliche Appenzellerin machte ein nettes Handzeichen zum Dank an den Ausgebremsten, hinter ihrem Rücken huschten abermals Kollegen vorbei. Diese Schmach liess Sie sich nicht auf sich sitzen und nahm die Hand nicht mehr vom Lenkrad und machte abermals Boden gut. Nico Müller konnte Sie nicht mehr einholen aber Sigrist und Fontana konnte sie in Griff halten.

Sigrist erlebte im ersten Rennlauf eine Schrecksekunde. Die Bremsen versagten beim ersten Anbremsen zur ersten Kurve und er schleuderte sich quer durchs Feld drehend bis ins tiefe Kiesbett.


Kategorie KF2 (neue Tag Longlife Motoren ex ICA)

Tony, Tony, Tony Kart Dominanz

An der Resultatwand musste die Mutter von Ricardo Galli erst gekniffen werden, denn Sie konnte das überragende Resultat Ihres Filius nicht glauben. Mit knapp 3/10 Vorsprung hatten auch die nachfolgenden Michi Grabher und Mettler nicht gerechnet, aber es war Tatsache. Dahinter klassierten sich vierzehn Fahrer innerhalb 6/10.
Dass dieses Zeittraining keine Seifenblase war, beweist der Trimmiser Sekundarschüler mit zwei blitzsauberen Vorlaufsiegen. Zwischenzeitlich übten sich verschiedene Fahrer in „Röösliriitää“ und änderten die Kart in sauberer Kaltverformung ab. Das Finale wurde eine eindrückliche Tony Kart Prozession. In den ersten zehn Plätzen klassierten sich nur drei Fahrer mit einer anderen Marke. Der stämmige aber sehr schnelle Kevin Gyr, konnte die Gunst der Stunde am Start nutzen und presste sich geschickt an die Spitze. Dahinter huschte Michael Grabher am mit den Bremsen kämpfenden Galli vorbei. Andrina Gugger zeigte grosses Kämpferherz und bestätigte ihre Super Resultate bei internationalen Rennen. Als einzige nicht Tony FahrerIn klassierte sich die Swiss Hutless Werksfahrerin auf dem undankbaren ledernen Platz. Reto Carigiet und Yannik Mettler komplettierten die „Tony Meisterschaft“ . Pech hatte Simon Trummer, etwas übermotiviert, verwickelte er sich in verschiedene Karambolagen in der Startphase und blieb schlussendlich mit abgesprungener Kette liegen. Anmerkung: Es gab einen ROTAX Junior (Wölfi) der in Mulhouse die Kette bei gleicher Situation wieder montierte und ins Ziel fuhr, heute aber ohne KF3 Motor nicht mitmachen konnte…. Trummer konnte sich als Zuschauer auch dem infernialischen Wetterspiel widmen, das sich wärend dem Finale rings um die Kartbahn abspielte. Tiefschwarze Wolken schickten in regelmässigen Abständen Blitze zu Boden. Regenbogen kündigten Regen an. Ein heftiger Regenschauer entlud sich genau zum Zeitpunkt als das gesamte Feld im Parce Ferme zur Waage fuhr.


Kategorie KZ2 (ex ICC oder Schalter)

Jost vom Regen gebremst

Der amtierende Schweizermeister, Ken Allemann, war nicht am Start. Uebrigends erreichte Ken Allemann beim letzten Wochenende anlässlich des WSK Rennen (World Serie Kart) in Leggio (It) die hervorragenden Ränge 3 und 4. Stolz berichtete er von spektakulären Ueberholmanöver die er gegen den amtieren F-A Kartweltmeister von Angerville (Fr), Davide Fore, gewann. Wer Fore schon live erlebt hat, kann einschätzen, welch harter Hund, Ken gebissen hat….bravo Ken.

Nun zur Schweizermeisterschaft. Das Zeittraining war eine klare Sache für den Deutschen Andreas Jost vor Dupont und Cochand. Die Dominanz von Jost hielt auf trockener Piste stand, sprich beide Vorläufe. Dahinter die beiden welschen Fahrer, gefolgt vom letztjährigen A 160 Schweizermeister, Heinz Fröhlich. Den Speed der ersten Drei konnte Fröhlich nicht immer folgend. Gestenreich erklärte er die motorischen Unterschiede gegenüber den vor Ihm fahrenden Schalter. Der ganze Tag wurde gepröbelt und zuversichtlich ging es an den Start zum Final. Der heftige Regenschauer verzögerte den Start um fünfzehn Minuten. Die Regenpneu; die vom Korrespondenten dieser Zeilen, am Samstag aus dem Kart Shop angekarrt wurden, kamen nun doch zum Einsatz. Geschickt setzte sich Jost an die Spitze dahinter die gewohnte Reihenfolge. Im Verlaufe des Rennes entwickelten sich bei Andreas Jost grosse Probleme mit dem Pneudruck und wurde durch das halbe Feld gereicht. An der Spitze entwickelte sich eine heftiger Kampf um den zweiten Schlussrang, den der Zürcher Fröhlich vor Dupont gewann. Als strahlender Sieger liess sich Cochand vom Rennleiter abwinken.

Mit Einführung der neuen TAG Longlife Motoren hat sich auch einiges im Ablauf der Rennen geändert. Am Samstag luden die Rennkommissäre die Fahrer zur technischen Abnahme wo alle KF Motoren und Chassis registriert wurden. Fein säuberlich wurden die Motorennummern auf einem Formular notiert und mit Klebeplomben gezeichnet. Die Möglichkeit zur Registration eines Reserve Motores konnte die wenigsten Fahrer nutzen. Die Schwarzmaler die alles Mögliche und Unmögliche den neuen Motoren vorausgesagt hatten, wurden nicht erhört. Die TAG Motoren liefen wie Schweizer Uhrwerke und wenn die Industrie endlich Ihre Lieferengpässe in den Griff bekommt, kann man von einem wirklichen Fortschritt sprechen. Schade nur, dass die eifrigen Fahrer einmal mehr als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Für das nächste SM Rennen in Pavia wird sich hoffentlich die Motorenfront erhellen und zusätzliche Fahrer an die schöne Piste nach Italien locken.

 

Es grüsst euer Karting.ch Korrespondent

Karl Senti

PS: Für Fragen und Anregungen stehe ich euch gerne zur Verfügung auf ksenti@karting.ch

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