(doidolino) Pünktlich mit den Blätter von den Bäumen fällt mit dem traditionellen Wintercup in Wohlen auch der Schlussvorhang für die Schweizer Kart-Saison 2006. Bei strahlendem, aber kaltem Spätherbstwetter drehen die Cracks nochmals herzhaft am Lenkrad. Die letzten Siegerpokale nehmen Alain Valente (Openmini), Shaun Vogel (Mini), Patrick Müller (155kg), Werner Henz (Rotax Challenge), Kimmy Larsson (Rotax Junior), Jasmin Preisig (Junior) sowie Guido Toscanelli (ICC) mit nach Hause.
155kg: Starkes Finish von Patrick Müller
Auch ohne die ganz grossen Top-Cracks aus der Schweizer Meisterschaft stellt sich zum letzten Saisonrennen in Wohlen nochmals ein gut besetztes Starterfeld auf. Insbesondere vom Tony-Duo Patrick Müller und Matthias Meier darf nach den starken Leistungen im bisherigen Saisonverlauf einiges erwartet werden, doch auch Marco Büchli, Mirco Gervasoni und Christopher Zanella haben ihr Talent mehrmals aufblitzen lassen und dürften sich zum Saisonabschluss nochmals das Podest zum Ziel gesetzt haben. Schon im Zeitfahren zeigt sich aber, dass das Duo Müller / Meier heute wohl erneut den Ton angeben wird, sie belegen mit den einzigen 38er-Runden im Feld die erste Startreihe zum Auftakt der Rennläufe. Auch in den Vorläufen jagen sie dem Rest des Feldes bald weit davon. Während Müller den ersten Lauf für sich entscheidet kontert Meier in Vorlauf zwei – das Spitzenduell ist somit vorerst ausgeglichen. Begünstigt wird der Sololauf der beiden Cracks durch einen Massencrash ihrer Verfolger im ersten Rennen, bei dem Marco Büchli nach einem etwas gar optimistischen Innenvorstoss in der ersten Kurve neben Christopher Zanella auch Mirco Gervasoni mit ins Elend reisst. Doch der Renntag ist noch lang, noch stehen die beiden Finalläufe auf dem Programm – die Verfolger haben also nochmals ihre Chance, dem fulminant auftretenden Spitzenduo auf den Zahn zu fühlen. Doch Meier und Müller sind heute schlicht eine Klasse besser als ihre Gegner, wobei Matthias Meier seinen Rivalen vorerst ebenfalls scheinbar sicher zu kontrollieren vermag. Das Préfinale geht jedenfalls nochmals klar an Meier, und auch im entscheidenden Finalrennen setzt sich der junge Tony-Crack von Beginn weg wieder an die Spitze. Doch Müller lässt sich diesmal nicht abschütteln und folgt seinem Gegner wie ein Schatten, verzichtet aber vorerst geduldig auf seine Chance wartend auf jede Attacke. Meiers Sieg scheint also noch keineswegs sicher, zumal Müller in der Vergangenheit schon mehrmals seine Kaltblütigkeit im Schlussgang bewiesen hat. Und Müller enttäuscht seine Anhänger auch diesmal nicht. In der letzten Runde presst er sich noch an Meier vorbei und verweist diesen nach 23 Führungsrunden schliesslich noch auf Platz zwei. Hinter dem alles überstrahlenden Spitzenkampf sichert sich Mirco Gervasoni Rang drei, während die in einem beinharten Dreikampf steckenden Maurizio Manna, Christopher Zanella und Marco Büchli schliesslich knapp am Podium vorbei fahren. Renn-Telegramm Final 155kg: Kartbahn Wohlen | Wetter: | sonnig, 5 0 | 24 Runden à 0.825 km = 19.800 km | Schnellste Runde: | Meier in 38.962 sec | Leader: | 1-23 Meier, 24 Müller | Zieleinlauf: | 1.Müller, 2.Meier, 3.M.Gervasoni, 4.Manna, 5.Zanella | Ausfälle: | Serratore, Albertanti, Seiler, Grunauer, C.Gervasoni |
ICC / Junior: Überragender Toscanelli hält auch Fröhlich in Schach
Eine Überraschung hält die Startliste des ICC-Teilnehmerfeldes bereit – A160-Champion Heinz Fröhlich versucht sich zum Saisonende für einmal im Schaltkart. Die gestandenen ICC-Favoriten Guido Toscanelli und Mike Truninger dürften also wohl neue Konkurrenz erhalten. Zusammen mit den leistungsstarken 125ccm-Gefährten schickt die Rennleitung auch die vier Junior-Piloten in den Wettkampf, wobei gemäss dem bisherigen Saisonverlauf die Favoritenrolle für die heutigen Rennen ausgeglichen bei Jasmin Preisig und Mike Steinmann liegen dürfte. Nach dem Zeitfahren nimmt das ICC-Duo Toscanelli/Fröhlich die Rennen aus der ersten Startreihe in Angriff. Mit einer horrenden Anfangspace setzt sich Toscanelli rasch von seinen Verfolgern ab, auch Fröhlich vermag dem Tempo des Jesolo-Piloten nicht mehr zu folgen. Entsprechend klar holt sich Toscanelli den ersten Sieg, während Fröhlich seinerseits Mike Truninger deutlich zu distanzieren vermag. Unruhe kommt hingegen im zweiten Lauf auf – nachdem die Rennleitung zweimal einen undisziplinierten Start bemängelt fällt sie eine Zeitstrafe über Toscanelli. Der Sieg geht diesmal knapp an Truninger vor Toscanelli und Fröhlich. In den nun folgenden Finalläufen wendet Toscanelli das Blatt aber wieder zu seinen Gunsten. Zwar muss er nach anfänglich klarer Führung im Préfinale Fröhlich nochmals gefährlich nahe aufrücken lassen, doch mit einer Tempoverschärfung in den Schlussrunden sowie einem Schaltfehler Fröhlichs im Infield lässt Toscanelli seinen Herausforderer endgültig abblitzen. Und im entscheidenden Finale scheint sich der Jesolo-Pilot besonders zu beeilen, um noch vor der drohenden Dunkelheit das Ziel zu erreichen – schliesslich distanziert er den zweitplatzierten Fröhlich um beinahe 10 Sekunden, während Mike Truninger auf Rang drei gar überrundet wird. Spannend verläuft die Entscheidung bei den Junior-Fahrern. Jasmin Preisig und Mike Steinmann kleben über weite Strecken der vier Tagesrennen dicht zusammen. Nach einem knappen Sieg Steinmanns im ersten Lauf dreht aber Preisig mehr und mehr auf und vermag den zweiten Vorlauf sowie die beiden Finalläufe für sich zu entscheiden. Den letzten Podestplatz in der Junior-Wertung erobert sich schliesslich Ramona Bodmer. Renn-Telegramm Final: Kartbahn Wohlen | Wetter: | sonnig, 5 0 | 24 Runden à 0.825 km = 19.800 km | Schnellste Runde: | Toscanelli in 39.488 sec | Leader: | 1-24 Toscanelli | Zieleinlauf: | 1.Toscanelli, 2.Fröhlich, 3.Truninger, 4.Preisig (1.Junior), 5.Steinmann (2.Junior) | Ausfälle: | Von Lerber (Jun) |
Openmini / Mini: Valente und Vogel mit dem längsten Atem
Nicht weniger als 25 Mini- und Openmini-Pilotinnen und –Piloten stellen zu den kleinsten Nachwuchs-Wettbewerben das grösste Feld des Tages. Entsprechend spannend und umstritten gehen die Entscheidungen vonstatten. Vorerst legt Florian Cuculi die Latte hoch, an seiner Polezeit von 46.357 beissen sich auf noch kältestarrender Piste auch die nächstplatzierten Pascal von Allmen, Alain Valente, Annika Lundin und Mike Zürcher die Zähne aus. Im Mini-Feld behält Colin Schumacher vor Tanja Müller die Nase vorn. In den Rennläufen ändert sich das Bild aber markant. Bei nun etwas wärmeren Temperaturen ist es Alain Valente, der klar den Ton auf der Piste angibt und seine Gegner in jedem Rennen zu distanzieren vermag. Einzig Annika Lundin vermag Valente zeitweise zu fordern, doch ein Dreher in der Einführungsrunde im Préfinal schmälert ihre Chancen auf einen Spitzenplatz nachhaltig. Valente fährt auch im Entscheidungslauf ungefährdet zum Sieg. Mit einer tollen Aufholjagd schafft Annika Lundin im Finale schliesslich immerhin noch den Anschluss an Kilian Schrieber und Pascal Siegrist, die sich zusammen mit Valente auf dem Podium freuen. Mit Platz vier ist das schnellste Mädchen im Feld allerdings für ihre tolle Leistung eher schlecht belohnt. Auch die Entscheidung um den Mini-Sieg vermag zu begeistern. Die Hauptakteure in dieser Wertung sind Shaun Vogel, Tanja Müller und Colin Schumacher. Vogel legt in den Vorläufen sowie im Préfinale ein hohes Tempo an und vermag Müller und Schumacher vorerst leicht zu distanzieren. Im Finale kommt es dann allerdings zum grossen Showdown. Rad an Rad hetzen sich die drei um den Kurs, am Ende entscheidet sich das Rennen in einem Fotofinish, den Vogel mit gerade mal 0.09 sec vor Tanja Müller zu seinen Gunsten beendet. Auch Schumacher erreicht das Ziel nur einen Wimpernschlag später, während das übrige Mini-Feld doch ziemlich viel Zeit auf das schnelle Trio einbüsst. Was für ein tolles Schlussbouquet am Ende einer packenden Schweizer Kartsaison 2006! Renn-Telegramm Final Openmini: Kartbahn Wohlen | Wetter: | sonnig, 5 0 | 16 Runden à 0.825 km = 13.200 km | Schnellste Runde: | Valente in 46.046 sec | Leader: | 1-16 Valente | Zieleinlauf: | 1.Valente, 2.Schriber, 3.Siegrist, 4.Lundin, 5.Haug-Ley | Ausfälle: | - |
Renn-Telegramm Final Mini: Kartbahn Wohlen | Wetter: | sonnig, 5 0 | 16 Runden à 0.825 km = 13.200 km | Schnellste Runde: | Vogel in 48.991 sec | Leader: | 1-16 Vogel | Zieleinlauf: | 1.Vogel, 2.T.Müller, 3.Schumacher, 4.Mauron, 5.M.Müller | Ausfälle: | Lekaj |
Rotax: Duell Zemp/Henz zum Saisonschluss
Nach der faszinierenden Rotax-Saison 2006 wird auch das letzte Rennen dieser nach wie vor aufstrebenden Rennserie mit Spannung erwartet. Ein stattliches Feld mit 15 Challenge-Fahrern und 6 Juniorpiloten dürfte nochmals für Spektakel sorgen. Schon im Zeitfahren zeigt das MS-Duo Michel Zemp / Werner Henz mit den schnellsten Rundenzeiten auf, dass sie heute wohl die heissesten Anwärter auf den Tagessieg sein dürften. Einzig Kevin Lüdi, der sich ausser Konkurrenz mit dem DD2-Kart als Vorbereitung auf das grosse WM-Finale in Portugal ebenfalls in Wohlen an den Start stellt, umrundet den Kurs noch eine halbe Sekunde schneller als die beiden Favoriten. Lüdi wird gemäss Rennleiter-Entscheid jedoch jedes Rennen vom Ende des Feldes in Angriff nehmen. Die Vorläufe wiederspiegeln das Ergebnis des Zeitfahrens – Zemp und Henz legen erneut ein horrendes Tempo vor und distanzieren das übrige Feld schon von der ersten Runde an. Einzig Reto Carigiet vermag im zweiten Rennen Paroli zu bieten und wenigstens Zemp zu besiegen. Henz ist allerdings auch für Carigiet nicht mehr in Reichweite. Noch klarer fällt die Entscheidung in den Finalläufen, diesmal vermag auch Carigiet die Pace der beiden MS-Fahrer nicht mehr mit zu gehen. Umso mehr Spannung bietet das Duell der beiden Führenden. Rad an Rad das Duo den Kurs, schliesslich behält Werner Henz aber beide Male knapp die Nase vorn und reckt den Siegerpokal strahlend in die Höhe. Etwas unübersichtlich verläuft im grossen Challenge-Feld die Entscheidung um den Junior-Sieg. Kimmy Larsson, Timon Hügli, Sandro Zeller, Ramona Jetzer und Jerôme Schwab setzen wiederholt Akzente. Schliesslich holt sich Larsson mit einer tollen Finalfahrt überlegen den Junior-Pokal vor Hügli und Zeller. Anstrengend verläuft der Renntag wohl auch für DD2-Gastfahrer Kevin Lüdi. Vom Ende des Feldes startend arbeitet sich der junge CRG-Crack jeweils energisch durch den Pulk und schafft das Kunsstück, sich in jedem Rennen mindestens auf Position zwei nach vorne zu arbeiten. Im zweiten Vorlauf und im Préfinale überquert der Youngster die Ziellinie gar als Erster. In einem Feld von 22 Fahrern ergibt dies nicht weniger als 82 Überholmanöver – kein Wunder, dass Lüdi am Abend ziemlich müde nach Hause fuhr. Bleibt zu hoffen, dass dieses Rennen in der Vorbereitungsphase für das WM-Finale in Portugal positive Auswirkungen haben wird. Wir drücken dem symphatischen Dietikoner jedenfalls für die Entscheidung in Portugal jetzt schon die Daumen. Renn-Telegramm Final Rotax: Kartbahn Wohlen | Wetter: | sonnig, 5 0 | 24 Runden à 0.825 km = 19.800 km | Schnellste Runde: | Zemp in 41.403 sec (Lüdi 40.977, DD2) | Leader: | 1-24 Henz | Zieleinlauf: | 1.Henz, 2.Lüdi (DD2), 3.Zemp, 4.Carigiet, 5.Wenger | Ausfälle: | Seiler, Gervasoni |
So – das wars vorerst von der nationalen Kart-Berichterstattung für diese Saison. Als besonderes Dessert bleiben nun nur noch die bereits erwähnten Rotax Grand Finals vom 18. November in Portugal, wo unsere Schweizer Vertreter Oliver Donat (Rotax Challenge), Dario Santoro (Junior Challenge) und Kevin Lüdi (DD2) hoffentlich für Furore sorgen werden. Allen andern wünsche ich jetzt schon eine erholsame Winterpause und viel Erfolg in der nächsten Saison! Euer Doidolino |